FACETIME

 

06.08.-28.08.2005
Installation von Vládmir Combre de Sena: Facetime

Lieber Vládmir, Bindungen sind freigewählte menschliche Verbindungen, die Verbundene mit mehr oder weniger großen Verknotungen aneinender binden. Die Dramaturgie Deiner Ausstellung in der EULENGASSE ist ein gewagter Gang: Über das Knotentuch eines chinesischen Armeesoldaten (entsteht Bindungen durch Kriegslist?), über diverse Krawattenknoten (ist die Vielseitigkeit weicher Umwerbung gemeint?), über mathematische Knotenauflösungen (Kleeblattknoten - ein Gleichberechtigungsspiel der beiden sich Bindenden) und last but least Deine pornografische Internetpräsentation - gefundene Internetbilder, die Du farblich bearbeitet hast. Hier sehe ich die schmerzlichste Bindung von Verbundenem, verschnürte Penise im bunten Coleur. Ist dies die Abhängigkeit - die Verbindung von Verbundenem? Die Weichheit des Genitals wird geknechtet, unterdrückt, gemartert und verletzt. Die Abstraktion wird zum Objekt der Begierde. Oder ist es der abschreckende Gedanke, Macht auszuüben, um sich frei zu fühlen? »Facetime«, die Zeit mit sich selbst zu beschäftigen, wäre in Deinem Raum sehr angebracht. Für die Ruhe der Meditation hast Du gesorgt - ein weißer Raum, der nur ohne Schuhe zu betreten gilt.

Brigitte Kottwitz (15.08.2005)

06.08.2005: Facetime


Fotodokumentation: Vládmir Combre de Sena, Harald Etzemüller