SCHLAFLABOR & TRAUMFABRIK

Von Schlaf und Schlaflosigkeit, Traum und Alptraum

Was?
Kooperationsprojekt 68elf e.V. und EULENGASSE e.V.

»SCHLAFLABOR #2«, eine Austausch-Ausstellung zwischen dem Kunstverein 68elf aus Köln und EULENGASSE zeigt zehn Positionen Kölner Künstler*innen zum Thema Schlaf im Ausstellungsraum EULENGASSE.

Eröffnung »SCHLAFLABOR #2« am Freitag, den 03. März 2017 um 19 h.

68elf ist vertreten mit den Künstler*innen Jo Albert, Hiltrud Gauf, agii gosse, Ruth Knecht, Dietmar Paetzold, Stephan Pusch, Christiane Rath, Klaus Schaefer, Bernd Straub-Molitor, Etienne Szabo.
Wo?
Ausstellungsraum EULENGASSE
Datum:
03.03.2017 - 19.03.2017
Vernissage
03 März 2017 – 19 Uhr
Bemerkung:


SCHLAFLABOR & TRAUMFABRIK*


»Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen.« Proust
»I wanna wake up in that city that doesn-t sleep.« Sinatra
»Schlafen kann ich, wenn ich tot bin.« R.W. Fassbinder

Rund ein Drittel seines Daseins verschläft der Mensch.
Verschwendung von Lebenszeit? Der Schlaf, der antiken Mythologie nach Zwilling des Todes und in Götterhand liegend, befindet sich allgemein auf dem Rückzug. Immer mehr Menschen nehmen heute pharmazeutische Muntermacher zu sich, um länger durchzuhalten.
Andere würden gern (länger) schlafen, können es aber nicht (mehr). Die Schlafdauer des Durchschnittsamerikaners beispielsweise nimmt ständig ab. Für eine weltweit zunehmende Zahl von Menschen, die mehrmals nachts aufwachen, um ihre Mails zu checken, ist Schlaf inzwischen zu einer Art "sleep mode" verkümmert, einem lästigen Bereitschaftsmodus. Insgesamt weist die Statistik zur neuen Schlaflosigkeit rund 80 schlafmedizinische Diagnosen auf. Gleichzeitig werden Technologien entwickelt, die mittels riesiger Spiegel im Orbit das Sonnenlicht so reflektieren sollen, dass Teile der Erdoberfläche künftig rund um die Uhr taghellerleuchtet bleiben.

Der Essayist Jonathan Crary, von Haus aus Kunsthistoriker(!) an der New Yorker Columbia University, sieht im Schlaf das letzte menschliche Bedürfnis, das sich (anders als Hunger, Durst oder sexuelles Verlangen) derzeit noch nicht weitgehend steuern und umfassend ausbeuten lässt - somit als letztes großes Hindernis, welches dem endgültigen Sieg des Kapitalismus noch im Wege steht. Eines Kapitalismus, der uns 24 Stunden am Tag wach und auf Trab halten will: als permanent erreichbare und aktivierbare Mitarbeiter, Konsumenten und Kommunikatoren. Crary dagegen stellt sich leidenschaftlich auf die Seite eines Geistes, der nicht dem Effizienzkalkül unterliegt - und damit gegen alle technischen und ökonomischen Mächte, die uns per Schlafentzug verfügbar machen wollen, indem sie pausenlos unsere Aufmerksamkeit erzwingen. Er plädiert eindringlich dafür, den Schlaf als letztes Refugium des Träumens von einer anderen (besseren) Welt zu retten.

*Bernd Straub-Molitor
68elf e.V.


Abb. © 2007 Stephan Pusch

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