Dolores

Die Frankfurter Künstlerin Cornelia F Ch Heier spricht über das »gebaute« Stillleben als Erzählmethode (Metapher) der Kunst: »…Leben hinterlässt Flecken, Staub und Dreck …« Skulptur und Raum sind eins. Oben und unten, vorne und hinten. Eine Frage des Verständnisses, nicht der Betrachtungsoberfläche … L’art pour l’art? Nur ein bisschen Dreckiger?… 19 Minuten Hörstück.

D I S T A N Z

Beim Jahresthema »Participate NOW!« geht es darum, den Stellenwert der Kunst als unabdingbarer Teil der Gesellschaft hervorzuheben. Die Beiträge referenzieren sich auch auf gesellschaftspolitische Fragestellungen, so auch in dieser Folge »D I S T A N Z«. So spannt der Frankfurter Maler und Bildhauer Stefan Stichler in seinen Gedanken zur Distanz einen Bogen von der Kunst bis zur aktuellen Krisensituation der Corona-Pandemie. Er beschreibt warum Distanz Gegenwart bedeutet und was das alles mit Werkzeugen zu tun hat. www.stefanstichler.com »D I S T A N Z« supported by Marc Haub (Sound)

»Participate NOW!« – Jahresthema 2020

Im wesentlichen geht es 2020 um Projekte partizipativer Kunst, mit dem Ziel, den Stellenwert der Kunst als unabdingbarer Teil der Gesellschaft hervorzuheben. Das Jahresthema »Participate NOW!« referenziert sich natürlich auch auf die gesellschaftspolitischen Bewegungen, die in den letzten zwei Jahren global virulent geworden sind, wie zum Beispiel »Fridays for Future« oder »Extinction Rebellion«. Fiktion und Wirklichkeit — Dies ist auch der Impuls, initiativ zu werden, um in einem Kollektiv gemeinsam durch künstlerische Forschung mit der Öffentlichkeit nicht nur in Kontakt zu kommen, sondern mit ihr gemeinsam durch inszenatorische Praxis partizipativ Kooperationen einzugehen — im Sinne einer besseren Zukunft mit künstlerischen Mitteln.

Let’s have a look back… @ Dialektik der Anerkennung

Das Jahr 2019 stand bei EULENGASSE unter dem Motto »Dialektik der Anerkennung«. Was es mit diesem etwas sperrig klingenden Jahresthema auf sich hatte, darüber hat die Kunsthistorikerin Cordula Froehlich M.A. mit den Künstler*innen Andrea Interschick, Falk Schornstheimer, Susanna Sitterding und dem Kulturmanager und Kurator Vládmir Combre de Sena diskutiert, moderiert von Harald Etzemüller. Wie »Dialektik der Anerkennung« auf Künstler*innen und Publikum gewirkt hat, und was das für selbstorganisierte Kunsträume bedeutet, erfahrt ihr in diesem Podcast.

Participate NOW!

EULENGASSE Jahresthema 2020

»Participate NOW!«
Oder: Es fällt mir schwer, mich damit abzufinden, dass Kunst nichts zur Lösung drängender gesellschaftliche Probleme beitragen kann. (Charlotte Posenenske, Mai 1968)

Im wesentlichen geht es 2020 um Projekte partizipativer Kunst, aufbauend in den folgenden fünf Dimensionen: Initiative, Kollektivität, Inszenierung, Öffentlichkeit, Kooperation. Ziel ist es, den Stellenwert der Kunst als unabdingbarer Teil der Gesellschaft hervorzuheben. Unser Interesse liegt in der Verschmelzung der Lebensbereiche. Hierzu sind wir als Kunstschaffende gezwungen, die Komfortzone des Kunstraums (Ausstellungs- und Galerieräume, Museen, Archive) zu verlassen. 

Zur Methodik der Partizipation: ein Mitglied ergreift die Initiative, stellt eine Idee für ein Projekt vor. Daraufhin wird ein Kollektiv gebildet, das das Projekt inszeniert, z.B. als Ausstellung, als Aktion oder Performance. Es bringt so das Projekt in die Öffentlichkeit und schafft die Möglichkeit für nachhaltige Kooperationen.

Und das Ziel zu verwirklichen, die Kunst als unabdingbarer Teil der Gesellschaft hervorzuheben, sollen die partizipatorischen Kunstprojekte an (un)gewöhnlichen Orten ihre Öffentlichkeit finden. Es werden neue Kommunikationsformen Anwendung finden, u.a. Online-Meetings, oder der neue EULENGASSE Kunst-Podcast, wo Inhalte der Projekte, Diskussionen und weitere Beiträge als Folgen abonniert werden können.

Das Jahresthema »Participate NOW!« referenziert sich natürlich auch auf die gesellschaftspolitischen Bewegungen, die in den letzten zwei Jahren global virulent geworden sind, wie zum Beispiel »Fridays for Future« oder »Extinction Rebellion«. Die Interesse liegt hier allerdings nicht in der Klimadiskussion, sondern darin, womit die beiden genannten Bewegungen vor allem zu kämpfen haben, nämlich der verzerrten Darstellung in den Medien und der allgemeinen Öffentlichkeit. 

»Fiktion und Wirklichkeit in der Kunst« ist Arbeitsgebiet von Dr. Ana Karaminova und bietet einen Anknüpfungspunkt zum 250. Geburtstag von Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Dessen Philosophie erhebt den Anspruch, die gesamte Wirklichkeit in der Vielfalt ihrer Erscheinungs-formen einschließlich ihrer geschichtlichen Entwicklung zusammenhängend, systematisch und definitiv zu deuten. Wie weit wir von einem solchen faktischen, naturwissenschaftlichen, ernsthaft an Wirklichkeitsdarstellung orientierten Anspruch inzwischen entfernt sind, ist erschreckend. 

Fiktion und Wirklichkeit — Dies ist auch der Impuls, initiativ zu werden, um in einem Kollektiv gemeinsam durch künstlerische Forschung mit der Öffentlichkeit nicht nur in Kontakt zu kommen, sondern mit ihr gemeinsam durch inszenatorische Praxis partizipativ Kooperationen einzugehen — im Sinne einer besseren Zukunft mit künstlerischen Mitteln.

Ergänzung:
Das finale Diktum der Künstlerin Charlotte Posenenske, mit dem sie 1968 ihre künstlerische Arbeit beendete und sich sozialer Arbeit zuwandte »Es fällt mir schwer, mich damit abzufinden, dass Kunst nichts zur Lösung drängender gesellschaftlicher Probleme beitragen kann«, erhält unter der derzeitigen Lage einen bitteren Geschmack. Die weltweiten dramatischen Entwicklungen ausgelöst durch das Coronavirus haben auch auf den geplanten Programmstart von „Participate NOW!“ Anfang April 2020 Auswirkungen. Die öffentliche Publikums-Befragung »Was bewegt Dich JETZT?« wird möglicherweise erst Ende Mai erfolgen können. Dafür sind uns sicherlich spannende Antworten garantiert.

16.12.2019 [Update 29.03.2020]
Andrea Blumör, Harald Etzemüller, Dr. Ana Karaminova

hr2 Kulturcafé: Interview zur TAUSCH 2019

TAUSCH 2019 Mitschnitt hr2 Kultur: Catherine Mundt im Interview mit Kristin Wicher und Harald Etzemüller. Die »TAUSCH! Contemporary Art Fair 2019« war ein 4-tägiges Kunstfestival, welches sich der Kunst in ruralen Räumen gewidmet hatte. Das ARThaus Altheim bei Dieburg hatte vom Do. 15. bis So. 18. August seine Türen und Räume für ein gattungsübergreifendes Messe-Event geöffnet: Die Besucher erlebten rund zwei Dutzend Präsentationen/Werkgespräche bildender Künstler in den »Cabinets« sowie Kreativ-»Workshops« zum Mitmachen, begleitet von einem Rahmenprogramm mit Kunstfilmen, Sound und Musik, Lieder und Jazz, Tanztheater, Performances und Kunstaktionen.

Dialektik der Anerkennung

EULENGASSE Jahresthema 2019

Das Jahr 2019 steht bei EULENGASSE im Zeichen von Anerkennung im Kunstkontext. Anerkennung ist zu verstehen als eine wertschätzende Wahrnehmung und Haltung der Person an sich sowie auch als eine ökonomische Anerkennung von Kunstschaffenden, ihrer diversen Arbeitsleistungen und Werte. Dabei thematisieren wir neben den wechselseitigen Beziehungen der Protagonisten des Kunstbetriebes untereinander auch das Verhältnis zwischen Kunstbetrieb und dem gesamtgesellschaftlichen Gefüge.

Als vor einigen Jahrzehnten die bildende Kunst in der populären Kultur immer beliebter wurde, gab es mehr Raum für Ausstellungen, und als Folge davon wurden mehr Menschen stärker in die Kunst einbezogen. Die Erweiterung der Szene brachte mehr Akteure ans Licht, schuf Superstars und Künstler*innen mit großem Erfolg – aber was ist mit der Qualität ihrer Arbeit? Inzwischen haben wir viele unsichtbare und nicht anerkannte Künstler*innen um uns herum; ist die Qualität ihrer Arbeit wirklich geringer? Es wurde viel deutlicher, dass der Erfolg künstlerischer Arbeit mehr mit (Selbst-)Vermarktung, Netzwerken und anderen Akteuren (Journalist*innen, Kurator*innen, Galerist*innen, Unterstützer*innen und unzähligen Freund*innen etc.) zu tun hat.

Der dialektische Aspekt des Jahresthemas lässt sich festmachen an verschiedenen Vorstellungen über das Künstlertum – sowohl von Personen innerhalb als auch außerhalb des Kunstkontextes. So existiert beispielsweise immer noch das romantisierende Klischee vom Künstler als dem aus dem Nichts schöpfenden Individualgenie, dessen Präsenz und Anregungen sich die Gesellschaft gerne bedient. Andererseits werden Künstler*innen oft in ihren realen – vor allem ökonomischen – Bedürfnissen wenig ernst genommen, ihre Werke oft nicht angemessen rezipiert und Entstehungsprozesse nicht als geleistete Arbeit verstanden.
Mit Akteur*innen aus Kunsttheorie, Vermittlung und Kunsthandel, mit Sammler*innen, Philosophen und Künstler*innen, und mit Rezipient*innen und Ausstellungsbesucher*innen fokussieren wir die Unterschiede, Ambivalenzen und Widersprüche des Kunstmarkts und seiner Wirkung auf das künstlerische Schaffen und Handeln. Wir wollen mit den verschiedenen Ausstellungen und anderen diskursiven Veranstaltungen klären, worum es eigentlich geht: Um die eigene Selbstreflexion und Selbstvergewisserung als Künstler*in? Um die Außenwahrnehmung vom »Kunstkontext«, also um Anerkennung von »etablierter Stelle«?
Und dann haben wir hier noch die »freie Szene«: Geht es also bezogen auf EULENGASSE um Anerkennung als artist-initiative? Gibt es für deren Künstler*innen einen Platz, irgendwo zwischen »Offenem Atelier« und Mega-Events? Unterscheidet sich die freie Szene wirklich so sehr von der Kunstszene im Allgemeinen? Was ist Erfolg? Und wie gehen wir mit dem Mangel an Anerkennung um?

Fragen, Zweifel, Unvereinbares – es geht wohl um die Widersprüche der Anerkennung. Lassen sich Antagonismen durch ein In-ein-Neues-Überführen auflösen? Wie sind entsprechende Erwartungshaltungen der verschiedenen Akteure, können diese überhaupt befriedigt werden? Solche Fragestellungen und weitere spezifische Dynamiken des Kunstkontextes und ihre Wirkung auf das künstlerische Schaffen und Handeln sind 2019 Thema bei EULENGASSE. Gemäß dem Hegelschen Verständnis von Dialektik als eine Methode des Gegenüberstellens gegensätzlicher Positionen, durch das man über Synthese zu einer neuen Vereinbarung kommt, machen wir uns Dialektik als Form der Unterredung, als Gesprächsführung zunutze, um in sprachlicher und künstlerischer Auseinandersetzung die sprichwörtlichen zwei Seiten der Medaille zu betrachten und offen zu diskutieren. In Ausstellungen und weiteren Veranstaltungsformaten wird ausgelotet, wie es um Anerkennung in Bezug auf Künstler*in und Werk steht.

Download:
> Jahresthema 2019
> Lead topic 2019

BEWERBUNG

SIE MÖCHTEN SICH BEI EULENGASSE FÜR EINE AUSSTELLUNG BEWERBEN?
Das Jahresprogramm wird in Projektversammlungen des Vorjahres entwickelt. Dabei beratend zur Seite: Vládmir Combre de Sena, Künstlerische Konzeptionen und Kuratierungen (combre(at)eulengasse.de) + Helmut Werres, Bewerbungen (h.werres(at)eulengasse.de).
Bei Bewerbungen bitte auf das Jahresthema inhaltlich Bezug nehmen, und eine aussagekräftige Bewerbung zusammenstellen (Projekt, Abbildungen, Vita, Ausstellungsliste, am besten als PDF). Bewerbungen bitte per eMail an

Raumkonzepte [vorläufig]

Jahresthema 2018

Unter dem Motto Raumkonzepte [vorläufig] bietet sich für Bildende Künstler*innen ein weites Betätigungsfeld zur Auseinandersetzung mit ihrem persönlichen Standpunkt ihres künstlerischen Schaffens und im kritischen Dialog mit Kolleg*innen und Publikum diese Positionen zu hinterfragen. Raum zu definieren ist ja an sich bereits ein gewaltiges Statement. So bewegen wir uns einerseits in einem kartesianischen Raum, der durch Punkt, Linie, Fläche und Vektor im Raum aufgespannt wird – und der durch die vierte Dimension in die Zeit ausgedehnt wird. Andererseits bewegen wir uns gleichzeitig auch in anderen Räumen, in sozialen Räumen, in topologischen Räumen, in rechtlichen Räumen, in einem etymologischen Raum. Gerade in der Kunst erfährt die Besetzung eine Raums – die Inbesitznahme – eine politische Auslegung.

Wo ist Raum? Dieser Frage geht Cornelia F.Ch. Heier in der Diskussion nach, indem sie Raumdefinitionen durchdekliniert. Karin Rahts führt die Diskussion wieder auf eine sehr ursprüngliche Fragestellung zurück, indem sie auf die künstlerischen und handwerklichen Mittel in Zeichnung und Malerei verweist und den Ausgangspunkt im künstlerischen Einfall sucht. Der Raum wird zum Spielraum. Harald Etzemüller möchte ausgehend von architektonischer Durchdringung des Begriffs Lebenswelten gestalten. Elke Kaiser sucht »den Raum an sich«, eher in einer philosophischen Dimension.

Raumkonzepte sind also in erster Linie auch Raumkonstruktionen, sie sind in bester Hinsicht »Mehrzweckräume«, ein Begriff, der aufgrund seiner negative Konnotation im Kontext öffentlicher Versammlungsstätten wie Bürgerhäusern unbedingt einer positiven Neudefinition bedürfte. Der Zusatz [vorläufig] verweist auf die Offenheit der Begriffsausdeutung, auf das work in progress, auf da Prozesshafte zeitgenössischer Positionen. Das Jahr 2018 steht also unter dem Motto, was wir RAUM zu zeigen hätten…

SYSTEMS · SYSTÈMES · SYSTEME

Jahresthema 2017

Ein System, bestehend aus miteinander verbundenen Elementen, hat per Definition zu vereinfachen und zu ordnen. Zeitgenössische Kunstschaffende mögen strukturierende Einengung eher nicht — es widerstrebt ihrem kreativen Selbstverständnis, wollen sie doch gerade normierte Geschmacks- und Traditionsgrenzen überwinden. Das derzeitige Ausstellungsgeschehen — so ist zu beobachten — beruht jedoch auf der skandalösen Deregulierung gesellschaftlicher, sozialer und politischer Werte. Hier bei uns und dort weltweit, aber damit auch wieder hier. Keiner und keinem kann dieser moralisch-ethische Verfall gleichgültig sein.

Der menschliche Körper ist ein ausgeklügeltes System (unter und neben vielen anderen Daseinsarten und Daseinsformen). Augen und Ohren öffnen sich den einströmenden Eindrücken, Gehirn und »beseeltes« Herz verarbeiten sie — je nach Individuum mit anderen Prioritäten und nach anderen Prinzipien. Ist einer der Sinne geschwächt oder beschädigt, versucht ein anderes Sinnesorgan einzuspringen und das System zu reparieren. Der ganzheitliche Zusammenhang funktioniert im Regelfall wunderbar reibungslos. Der Mensch traut seinen Augen und Ohren. Er baut Vertrauen in sich und die Umwelt auf. Lebensabläufe und Lebensplanungen werden durch das gezielte Vorgehen bequemer und berechenbarer. Der Mensch meistert sein Leben, wie es umgangssprachlich heißt. Aus der Bahn geworfen, ja fassungslos, gar hilflos, wird er jedoch oft, wenn mächtige Systeme auf ihn einströmen und wirken. Alle Formen staatlicher, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher, ideologischer Organisationen sind zwar ebenfalls Menschenwerk, lassen diesen natürlichen Ursprung aber immer weniger erkennen. Es sind komplexe Strukturen, die meisterlich bestimmte Absichten verbergen können, wollen und müssen. Dahinter steckt System, aber welches? Das Ursprungsvertrauen gerät ins Trudeln. Da kein eigenes Organ diesem Schwindelgefühl Einhalt bietet, klammert sich der Mensch an vermeintlich einfache Lösungssysteme und Lösungsvorschläge von außen. Nicht präzise genug ausgedrückt. Er könnte dem Schwindelgefühl zu Leibe rücken und ihm auf den Grund gehen, aber das ist anstrengend. Sehr anstrengend. Systematisch sich ein eigenes Urteil schaffen und bilden, sich wissenschaftliche Lehrsysteme aneignen, puh! Logisch alles aufdröseln, eigene Wert- und Normgefüge erweitern, verändern, manchmal sogar ganz von ihnen ablassen – doppeltes puh und ächz!

Das Jahresthema möchte anhand diverser künstlerischen Ausdrucksformen und Techniken von A wie abfotografiert bis Z wie gezeichnet Anregungen geben. Anregungen zum systematischen und investigativen Be- und Hinterfragen von vorgekauten Geschichten — in welcher Art und Weise diese auch immer daherkommen und sich offenbaren… Das Thema ist ernst, aber gelacht wird gerade und trotzdem.

Verschriftlicht von Sibylle Leibrock