Ask the Mango

Jahresthema 2026

 

Die Fremdheit der Mango ist fast vergessen, weil es sie bei uns überall zu kaufen gibt – sie verkörpert einen gewissen Widerstreit von Fremdheit und Vertrautheit, der die beiden Begriffe etwas zerfasert

Hintergrund: Als farbenfroher, saftig-süßer Exot verwöhnt die Mango unsere westliche Überflussgesellschaft, als Import steht sie oft für unsere zerstörerischen Wirtschaftspraktiken – wir eignen uns die Mango dann gewaltsam an

Der Aufruf-Charakter des Titels lässt die Mango als mögliche Quelle eines Wissens erscheinen, von dem wir uns entfremdet haben und das hier ein Rederecht bekommt – triefend und mit diffusem Kern ist sie eine widerspenstige Instanz, deren Wahrheiten nicht leicht zu fassen sind – die Mango verkörpert auch Komplexität

Die Mango steht bei uns noch immer für einen gewissen Exotismus, der darauf verweist, dass wir unsere Kultur, unseren Standpunkt unbewusst ins Zentrum der Welt stellen und alles von hier aus beurteilen (d.h. oftmals vereinfachen und verfälschen). So gesehen zeigt sich hier unsere Entfremdung – von der Lebensvielfalt auf diesem Planeten, sei es Flora oder Fauna oder das Wesen Mensch in seinen vielfältigen Ausformungen, die wir ‚Kultur‘ nennen

Der Dialog mit der Mango als surreale Metapher für den künstlerischen Versuch, die Aufmerksamkeit auf Vergessenes, Übersehenes, auch unsichtbar Gehaltenes zu lenken – so gesehen auch (aber keineswegs nur!) eine feministische und entkolonialisierende Praxis

Nicht zuletzt steht die Mango wie auch die Tatsache, dass der Jahrestitel die Öffentlichkeit auf Englisch anspricht, für die internationale Ausrichtung der EULENGASSE

 

© 25.01.2026 Barbara Ina Frenz