NATURE ON OFF

»La nature, ça n'existe pas«

NATURE ON OFF
»Es gibt so etwas wie Natur nicht«

Dieses Zitat des Anthropologen Philippe Descola bringt uns dazu, die Idee der Natur zu überdenken. Sein Werk hat unsere Beziehung zur lebendigen Welt tiefgreifend verändert und skizziert eine neue Möglichkeit, den Menschen mit der nichtmenschlichen Welt zu verbinden. Die Künstler*innen und Kuratoren Guillaume Krick und Romain Rambaud haben sich von diesen neuen Interpretationen einer auf den Kopf gestellten Welt inspirieren lassen, um eine Ausstellung zu entwickeln, die diese neue Verbindung zur Realität hinterfragt. Das Ziel dieser Ausstellung ist es, eine Vielzahl von künstlerischen Positionen zu präsentieren, die durch die Art und Weise, wie sie unsere Beziehung zur lebendigen Welt in Frage stellen, vereint sind.

Diese »lebendige Welt« ist im weitesten Sinne zu verstehen: natürlich in Bezug auf Pflanzen und Tiere, aber auch aus geologischer und archäologischer Sicht und sogar in Bezug auf Darstellungen in der Kunstgeschichte. So beziehen die an dieser Ausstellung beteiligten Künstler*innen Position, hinterfragen und entwickeln alternative Sichtweisen, um auf zeitgenössische Themen im Lichte des Anthropozäns hinzuweisen.

In einer Zeit, in der die menschliche Spezies die Erde dominiert, in der die Urbanisierung und die Ausbeutung der Ressourcen zum Klimawandel führen und ganze Ökosysteme an den Rand der Implosion treiben, haben wir diese Realität indirekt, durch die Vermittlung eines Bildschirms, zur Kenntnis genommen. Doch nun scheint die lebendige Welt plötzlich wieder in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit zu rücken und uns daran zu erinnern, dass wir immer ein Teil von ihr waren und sein werden. Unsere Ausstellung möchte unsere Art und Weise, »in der Welt zu sein», erkunden, und wie aktuelle Ereignisse wie der Klimawandel oder Covid unsere Art und Weise, die Welt künstlerisch darzustellen und sich vorzustellen, in Frage stellen.

Die Künstler*innen der Ausstellung greifen diese Frage auf eine kritische Art und Weise auf, die eine poetische Verschiebung zwischen ihren Positionen und der Realität ermöglicht. Sie entwickeln ihre Arbeiten zwischen einer künstlichen, dystopischen Welt, zwischen Verschwendung, Übersättigung und Apokalypse und der Möglichkeit eines möglichen besseren Morgens. Wir können auch eine Art Utopie sehen, die durch Kunstwerke miteinander verbunden ist, in denen sich die Pflanzen-, Tier- und Mineralwelt friedlich oder brutal mit den Menschen vermischt. Diese »belebten« Ideen werden in der Malerei und der Bildhauerei erforscht und bringen uns dazu, die lebendige Welt wieder bewusst in unseren Alltag zu integrieren. Durch die ihnen zugrunde liegenden Gedanken und Gesten bringen diese künstlerischen Positionen die Notwendigkeit einer Evolution der menschlichen Gesellschaft zum Ausdruck, um eine friedlichere Beziehung zur lebendigen Welt herzustellen. Guillaume Krick & Romain Rambaud

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EN

NATURE ON OFF
»There is no thing such as nature«

This quote by the anthropologist Philippe Descola makes us reconsider the very idea of nature. His work has profoundly modified our relationship with the living world and sketches out a new possible way of connecting the human with the non-human world. The artists and curators Guillaume Krick and Romain Rambaud have been inspired by these new interpretations of an upended world so as to develop a show interrogating this new connection to reality. Indeed, the aim of this show is to present a large scale of artistic positions united by the way they question our relationship with the living world.

This »living world« is to be seen in its boadest sense: concerning plants and animals of course, but also including geological, archeological perspectives and even representations in art history. Thus, the artists participating in this show take position, question and develop alternative points of view so as to point out contemporary issues in the light of the Anthropocene.

At a time when the human species dominates the the earth, where urbanization and exploitation of ressources lead to climate change and push whole ecosystems towards the edge of implosion, we have acknowledged this reality indirectly, through the intermediary of a screen. But now, the living world suddenly seems to come back the the centre of our attention, reminding us that we have always been, and will always be, part of it. Our show wishes to explore our way of »being in the world«, and how recent events such as climate change or Covid question our ways to represent and to imagine the world artistically.

The artists of the show seize this question in a critical way that allows a poetic shift between their positions and reality. They develop their work oscillating between an artificial, dystopic world, between waste, over-saturation and the Apocalypse, and the possibility of a possible better Tomorrow. We can also see some sort of utopia, interconnected by artworks where the plant, animal and mineral worlds mingle peacefully or brutally with humans. These »animated« ideas are explored via painting and sculpture, and make us reintegrate consciously the living world in our everyday lives. By their underlying thoughts and gestures, these artistic positions express the need of an evolution of human society in order to establish a more peaceful relationship with the living world.

Guillaume Krick & Romain Rambaud